Medizinprodukte-Aufbereitung als Chance für Quereinsteiger
Auch ohne medizinische Erstausbildung ist ein Einstieg in die Medizinprodukteaufbereitung grundsätzlich möglich. Ein etablierter Qualifizierungsweg ist der Fachkundelehrgang I nach DGSV. Zusätzlich zur theoretischen Qualifizierung sind praktische Tätigkeit, eine betriebliche Einweisung und die Übertragung konkreter Aufgaben durch den Betreiber erforderlich.
Kliniken, ambulante OP-Zentren und Zahnarztpraxen suchen händeringend Personal für ihre Aufbereitungseinheiten. Wiederverwendbare chirurgische Instrumente müssen nach ihrer Anwendung fachgerecht aufbereitet werden, bevor sie erneut eingesetzt werden dürfen. Je nach Medizinprodukt umfasst dies unter anderem Reinigung, Desinfektion, Prüfung, Pflege, Verpackung, Sterilisation und die dokumentierte Freigabe. Ohne dieses Personal steht kein OP-Saal still, aber er läuft auch nicht an.
Was das Feld für Quereinsteiger interessant macht: Auch Personen ohne klassische medizinische Erstausbildung können sich über geeignete Qualifizierungsmaßnahmen und praktische Tätigkeit für Aufgaben in einer AEMP qualifizieren. Wer aus der Gastronomie, dem Einzelhandel oder einem handwerklichen Beruf kommt, bringt oft genau die Sorgfalt und Zuverlässigkeit mit, auf die es hier ankommt.
Der Bedarf ist da. Und er wächst.
Aufgaben, Fachbegriffe und rechtliche Rahmenbedingungen
Bevor du dich für einen Lehrgang entscheidest, hilft es, ein paar Begriffe einordnen zu können. Die Abkürzungen fliegen dir im Berufsalltag ständig um die Ohren.
ZSVA steht für Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung, der ältere Begriff. Heute spricht man häufiger von der AEMP, der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte. Gemeint ist derselbe Bereich. Die Menschen, die dort arbeiten, heißen oft Sterilgutassistenten oder technische Sterilisationsassistenten.
Der rechtliche Rahmen ist kein Beiwerk, sondern Kern des Berufs. Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) verpflichtet den Betreiber, die Aufbereitung nur Personen zu übertragen, die für die jeweilige Tätigkeit über die erforderlichen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen verfügen. Die KRINKO/BfArM-Empfehlung konkretisiert die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Aufbereitung. Ein Fachkundelehrgang ist dabei ein etablierter Qualifizierungsweg, ersetzt aber nicht die praktische Tätigkeit, die betriebliche Einweisung und die Übertragung konkreter Aufgaben.
Welche Qualifikation benötigt wird, hängt vom aufzubereitenden Medizinproduktespektrum, der Risikoeinstufung, der jeweiligen Tätigkeit und der übernommenen Verantwortung ab. Die DGSV-Qualifizierungen bauen fachlich aufeinander auf und bereiten auf unterschiedliche Aufgabenbereiche innerhalb einer AEMP vor. Einen ersten Überblick über die verschiedenen Lehrgänge und Anbieter bekommst du über passende Medizinprodukte-Aufbereitung-Lehrgänge, die von der Fachkunde I bis zu den weiterführenden Qualifizierungen reichen.
Der Arbeitsalltag in der Sterilgutaufbereitung
Die Arbeit folgt einer klaren Kette, und die läuft immer in eine Richtung: von unrein nach rein. Ein wiederverwendbares Instrument, das aus dem OP zurückkommt, durchläuft mehrere Stationen, bevor es nach der dokumentierten Freigabe wieder eingesetzt werden darf.
- Reinigung und Desinfektion erfolgen bevorzugt maschinell in einem Reinigungs- und Desinfektionsgerät, kurz RDG. Ist ein geeignetes maschinelles Verfahren nicht vorgesehen oder nicht verfügbar, kann je nach Herstellerangaben und Medizinprodukt eine manuelle Reinigung und Desinfektion möglich sein.
- Nach der Reinigung und Desinfektion folgen Trocknung, Sichtkontrolle, Pflege und Funktionskontrolle. Dabei achtest du auf Rückstände, Beschädigungen, Sauberkeit und Funktion.
- Anschließend werden die Medizinprodukte – sofern erforderlich – in geeignete Sterilbarrieresysteme verpackt und gekennzeichnet. Nach der Sterilisation und der Kontrolle des Prozesses endet die Aufbereitung mit der dokumentierten Freigabe zur Anwendung.
Die räumliche und organisatorische Trennung der Bereiche verhindert, dass bereits gereinigte oder desinfizierte Medizinprodukte erneut kontaminiert werden. Ein Wechsel zwischen dem unreinen und dem reinen Bereich erfolgt ausschließlich entsprechend den festgelegten Hygiene-, Bekleidungs- und Personalflussregelungen.
Was den Job erleichtert: ein Auge fürs Detail, ein ruhiges Arbeiten unter Zeitdruck und die Bereitschaft, Dokumentation ernst zu nehmen. Jeder Sterilisationszyklus wird protokolliert. Wer schlampig dokumentiert, gefährdet die Rückverfolgbarkeit und die ist im Ernstfall alles.
Handwerkliches Geschick hilft, medizinisches Vorwissen ist kein Muss.
Einstiegswege vergleichen und den passenden auswählen
Die zentrale Frage beim Einstieg lautet: Welche Qualifikation brauchst du für die vorgesehene Tätigkeit? Die Antwort hängt vom Medizinproduktespektrum, von den konkreten Aufgaben, der Risikoeinstufung und der übernommenen Verantwortung ab.
Die Fachkunde I ist der klassische Einstieg und vermittelt grundlegende Kenntnisse für die Mitarbeit in einer AEMP. Der Fachkundelehrgang II baut darauf auf und richtet sich an Mitarbeitende mit Berufserfahrung und erweiterten Aufgaben, beispielsweise in der Schichtleitung oder stellvertretenden Leitung. Für Leitungs- und Managementaufgaben bietet die DGSV den Managementlehrgang zur Leitung einer AEMP an.
Ein direkter Einstieg in den Fachkundelehrgang II ist nicht vorgesehen. Voraussetzung sind der erfolgreiche Abschluss der Fachkunde I und mindestens sechs Monate praktische Tätigkeit in einer AEMP. Für Quereinsteiger ist deshalb zunächst die Fachkunde I der passende Qualifizierungsweg.
Bei den Kosten bewegst du dich für einen Fachkunde-I-Lehrgang meist im vierstelligen Bereich. Je nach persönlicher Situation können Fördermöglichkeiten bestehen. Eine Förderung über einen Bildungsgutschein setzt unter anderem voraus, dass sowohl der Bildungsträger als auch die konkrete Bildungsmaßnahme entsprechend zugelassen sind und die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die individuellen Fördervoraussetzungen bestätigt. Bildungsurlaub beziehungsweise Bildungszeit kann je nach Bundesland eine bezahlte Freistellung von der Arbeit ermöglichen, übernimmt aber nicht automatisch die Lehrgangskosten.
Ein Fallstrick, der öfter übersehen wird: Prüfe vor der Anmeldung, ob der Lehrgang von einer durch die DGSV anerkannten Bildungsstätte nach dem aktuellen DGSV-Lehrplan durchgeführt wird und mit den vorgesehenen Prüfungen sowie einem DGSV-Zertifikat abschließt. Ein Zertifikat, das von potenziellen Arbeitgebern nicht anerkannt wird, nützt dir wenig – unabhängig davon, wie günstig der Lehrgang war.
Weiterbildung starten und ersten Lehrgang finden
Für den Einstieg ohne medizinische Vorerfahrung ist ein Fachkundelehrgang I bei einer durch die DGSV anerkannten Bildungsstätte die naheliegende Wahl. Voraussetzung ist allerdings, dass der praktische Einsatz in einer AEMP frühzeitig organisiert wird. Ein Beispiel dafür ist der Fachkundelehrgang 1 nach DGSV e. V. mit 120 Unterrichtseinheiten, der die theoretischen Grundlagen vermittelt und durch die vorgeschriebenen praktischen Tätigkeiten in einer AEMP ergänzt wird.
Worauf du bei der Anmeldung wirklich schauen solltest: Wird der Lehrgang von einer durch die DGSV anerkannten Bildungsstätte nach dem aktuellen Lehrplan durchgeführt? Sind die vorgeschriebenen Prüfungen und praktischen Tätigkeiten klar beschrieben? Und erhältst du nach erfolgreichem Abschluss ein DGSV-Zertifikat? Ohne diese Voraussetzungen kann der Lehrgang für deinen beruflichen Einstieg nur eingeschränkt verwertbar sein.
Nicht jeder Lehrgang startet jederzeit. Die Termine sind begrenzt, gerade bei Anbietern mit Praxisplätzen, deshalb lohnt ein früher Blick auf die aktuellen Lehrgangstarttermine, bevor du dich auf ein Datum festlegst.
Ein Hinweis noch zum Ablauf: Für die Teilnahme am Fachkundelehrgang I muss der praktische Einsatz frühzeitig organisiert werden. Bereits zum Lehrgangsstart sind 150 Stunden praktische Tätigkeit in einer AEMP nachzuweisen. Weitere 80 Stunden werden zwischen den Lehrgangsteilen absolviert. Wer noch keinen Arbeitsplatz in einer AEMP hat, sollte sich deshalb vor der Anmeldung um eine geeignete Praktikumsstelle und eine qualifizierte Anleitung kümmern.
Der entscheidende Unterschied zwischen einem guten und einem verschwendeten Lehrgang liegt nicht im Preis, sondern in der Anerkennung und dem Praxisanteil.